Das passende Outfit für´s Büro

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16.02.2008 - Von Kirsten Schiekiera

Wer sich seiner Branche entsprechend kleidet, kommt besser klar:
Das Wichtigste zur Kleiderordnung

Gut gemeinte Ratschläge zum Thema Dresscode gibt es mehr, als ein gut sortierter Herrenausstatter an Krawatten vorrätig hat: "Sei niemals besser gekleidet als dein Chef" oder "Je höher die Position, umso dunkler sollte der Anzug sein". Verunsicherte Gemüter finden so keinen Halt. Sie quälen sich beim nächsten Einkauf mit der Frage, wie teuer oder wie hell der Anzug wohl sein muss, ohne dass die Gefahr besteht, dass sich der Chef düpiert fühlen könnte.

Andere Tipps haben mehr praktischen Nutzen. Man kann lesen, dass bei Abendeinladungen die Handtasche "nicht größer als der Kopf" sein sollte und dass Strumpfhosen auch bei Temperaturen von 37 Grad im Schatten ein absolutes Muss sind. Frauen, so wird immer wieder kolportiert, sollten sich niemals ohne Strümpfe auf das geschäftliche Parkett begeben. Maria Richter, Diplom-Psychologin und Image-Beraterin lehnt derart starre Hinweise zur Kleiderordnung ab. "Wenn eine Frau schöne gepflegte Füße und Beine hat, dann spricht nichts Grundsätzliches dagegen, dass sie bei Hitze offene Schuhe trägt."

Egal um welchen Anlass es sich handelt: Man sollte durch die Kleidung zum Ausdruck bringen, dass man sich mit den Menschen, mit denen man zu tun, auf Augenhöhe begeben möchte." Und deshalb sollte man selbstverständlich zu einem Termin mit einem Vorstand den feinen Zwirn hervorholen. An Richter wenden sich Menschen, die sich unsicher in Bezug auf Kleidungsfragen sind. Auch Unternehmen und Personalberatungsfirmen, die bei Angestellten oder Klienten Handlungsbedarf in Stilfragen sehen, beauftragen sie. "Ich werde dafür bezahlt, den Menschen auch unangenehme Wahrheiten zu sagen." Zur Beratung kommen die Klienten meist mit Reisetaschen, in denen sich ihre Lieblingsstücke verbergen. Mitunter offenbaren sich fatale Vorlieben. Da trägt ein Vertriebschef ständig quietschbunte Hemden und eine Sachbearbeiterin mag partout nicht von sehr kurzen Röcken lassen. In solchen Fällen versucht Richter ihre Klienten behutsam umzustimmen und sich angemessener anzuziehen.

Der Spruch ist so alt wie wahr: Kleider machen Leute. Insbesondere gilt das für das Berufsleben. Die klassischen Faktoren für Erfolg wie Leistungsbereitschaft, Kompetenz und Talent nutzen dem ehrgeizigsten Aspiranten nur wenig, wenn es am äußeren Erscheinungsbild hapert. Mit der richtigen Kleidung kann man Selbstbewusstsein gewinnen, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe zum Ausdruck bringen und seine Karriere befeuern. "Wer sich passend kleidet, signalisiert: "Ich gehöre hier hin, ich möchte dazu gehören.

Das Outfit sollte zur Branche, zur Position und zu einem selbst passen", sagt Petra Begemann, Autorin von "Der große Business-Knigge. Was Sie heute im Berufsleben wissen müssen". "In Banken geht es formeller zu als im Management eines mittelständischen Produktionsbetriebes oder in den so genannten kreativen Branchen. Gedeckter Anzug, helles Hemd und Krawatte vermitteln Seriosität; das Cord-Jackett Bodenständigkeit; das schwarze Designeroutfit die Prise Exzentrik und Stil, die man im Kreativbereich erwartet." Ob Manager, Anwältin oder Unternehmensberater - die Kleidung ist ein wichtiger Bestandteil der Berufsetikette. Jede Branche hat ihre eigenen Dresscodes, die man tunlichst übernehmen sollte. Das graue Kostüm mit weißer Bluse und Goldschmuck, das bei einem Vorstellungsgespräch in einem Versicherungsunternehmen einen guten Eindruck macht, wirkt auf Werbeleute womöglich fade und hausbacken und in einem Ingenieurbüro, in dem selbst die Chefs Jeans und Trekking-Schuhe tragen, hoffnungslos gestrig.

Einige Kleidungs-Fauxpas verbieten sich von selbst. "Flipflops oder bauchfreie Mode können echte Karrierekiller sein", meint Begemann. Ist man erst mal mit den branchen- und firmeninternen Dresscodes vertraut, sollte man sich im Kleidungsstil grundsätzlich an den Vorgesetzten orientieren. Begemann: "Aufstiegsorientierung sollte man auch nach außen dokumentieren."

Egal ob es darum geht, den Alltag in den richtigen Klamotten zu meistern oder darum, bei einer Gala zu glänzen: Verkleiden sollte sich niemand, findet Richter. "Wenn man sich komplett umstylt, gibt man schließlich auch einen Teil seiner Persönlichkeit ab. Es ist aber wichtig, dass man immer authentisch bleibt. Doch wenn man etwa für ein Vorstellungsgespräch auf Nummer sicher gehen will, muss notfalls der Wunsch nach Individualität zurückstecken." Dann sollten bei Männern die Ohrstecker rechtzeitig in der Anzugtasche verschwinden und Frauen die Riemchensandalen lieber im Schuhschrank lassen.